Urlaubsreisetrends 2014 - Die Ferienpläne der Deutschen

Zum Jahresbeginn 2014 hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) für die CMT in Stuttgart eine erste vorläufige Bilanz des Reisejahres 2013 erstellt und die touristischen Trends des neuen Jahres ermittelt. Martin Lohmann stellte für die FUR die Ergebnisse in Stuttgart vor.

2013: Wachstum weltweit
Der internationale Tourismus, also die Zahl grenzüberschreitender Reisen mit Übernachtungen, ist auch 2013 wieder gewachsen - nach vorläufigen Schätzungen um 5% auf fast 1,1 Mrd. Reisen. Anders als in den zurückliegenden Jahren gab es Steigerungen vor allem im Reiseziel Europa.
Auch der Deutschlandtourismus hat sich positiv entwickelt. In den ersten 10 Monaten des Jahres erhöhte sich die Zahl der Gästeübernachtungen im Inland im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1 % auf 361 Millionen. Davon entfielen etwa 17% der Übernachtungen auf ausländische Gäste; die Steigerungsrate lag hier mit 4% deutlich über der der Inländer. So konnte Deutschland vom Boom im internationalen Tourismus profitieren. Für 2013 kann man insgesamt mit ca. 411 Mio. Übernachtungen rechnen.
Für den Bereich der Urlaubsreisen der Deutschen erwartet die FUR nach den vorläufigen Daten auf der Basis der RA online vom Jahresende für 2013 ein Volumen von 69 Mio. Urlaubsreisen (stabil zum Vorjahr) und eine Steigerung der Ausgaben für Urlaubsreisen auf ca. 64 Mrd. Euro. Hinzukommen noch Kurz-, Geschäfts- und sonstige Reisen. Auch die Touristikunternehmen in Deutschland haben im zurückliegenden Jahr beim Umsatz und bei den Erträgen zugelegt, während sich die Teilnehmerzahlen auf dem hohen Vorjahresniveau bewegten.
Einer der Hintergründe für die große Verlässlichkeit der touristischen Nachfrage ist die regelmäßig hohe Zufriedenheit der Reisenden mit ihrem Urlaub. Nur bei ca. 1% der Urlaubsreisen geben die Befragten an, „nicht zufrieden“ gewesen zu sein. 29% kehren „zufrieden“, 69% sogar „sehr zufrieden“ wieder nach Hause zurück (Reiseanalyse 2013). Erfahrene Kunden, die wissen, was sie erwarten können, und gute Produktqualität auf der Anbieterseite sind die Gründe für dieses positive Bild.

Vorzeichen für 2014
Nur unter günstigen wirtschaftlichen Bedingungen floriert der Tourismus. Was die allgemeine wirtschaftliche Lage angeht, sind die Deutschen deutlich weniger pessimistisch als in den Vorjahren: 34% erwarten, dass die allgemeine wirtschaftliche Lage sich in einem Jahr verschlechtern wird (Vorjahr 47%), 20% erwarten eine Verbesserung (Vorjahr: 12%). Nun werden Reisepläne weniger vor dem Hintergrund der allgemeinen als mit Blick auf die persönliche Situation entwickelt. Hier ist nur eine geringe Veränderung auszumachen: 21% (Vorjahr: 24%) erwarten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in einem Jahr verschlechtern wird; 26% (Vorjahr: 24%) erwarten eine Verbesserung, die restlichen 53% sehen keine Veränderung. Insgesamt deutet sich also eine leichte Verbesserung an.
In Deutschland wird die touristische Nachfrage seit Jahrzehnten durch den hohen Stellenwert, den Urlaubsreisen im Vergleich zu anderen Konsumbereichen haben, gestützt. Das gilt auch aktuell: Mehr als drei Viertel der Bevölkerung haben sich bereits mit der Planung ihrer Urlaubsreisen 2014 beschäftigt. Ob jemand tatsächlich eine Reise antritt, ist vor allem eine Frage des Könnens (ausreichend Zeit und Geld?) und des Wollens (Urlaubslust?). Deswegen nutzen wir diese Indikatoren zur Abschätzung der Entwicklung der Urlaubsnachfrage.
 
52% der Bevölkerung sehen sich finanziell in der Lage, 2014 Urlaubsreisen zu unternehmen, etwas mehr (59%) sehen den notwendigen zeitlichen Spielraum. Der Urlaubslustindikator in der RA liegt auf dem hohen Niveau des Vorjahres (53%). Lediglich jeweils ein Fünftel der Deutschen haben kein Geld, keine Zeit oder derzeit noch keine Lust auf einen Urlaub. Betrachtet man die Indikatoren zusammen, dann zeigt sich, dass eine Urlaubsreise im Jahr 2014 bei 36% der Bevölkerung bereits so gut wie sicher ist, weil alle Voraussetzungen gegeben sind. Sie können es sich finanziell leisten, sie haben Zeit und auch Lust, in den Urlaub zu fahren. Das gilt besonders für Ältere und Personen mit einem höheren Haushaltsnettoeinkommen.

Die Zahl der Reisenden bleibt 2014 also auf hohem Niveau, die Wachstumsperspektive kommt aus der Zahl der Urlaubsreisen und den damit verbundenen Ausgaben: 25% (Vorjahr: 24%) der Deutschen wollen 2014 mehr Reisen machen als im Vorjahr, 17% weniger; 30% (Vorjahr: 28%) wollen mehr Geld für Reisen ausgeben, 18% weniger. Vor diesem Hintergrund sind auch für 2014 wieder steigende Umsätze im Tourismus zu erwarten.

Urlaub 2014: Lust auf Neues und Konstanz im Gesamtbild
Als Individuen betrachtet, wechseln viele Menschen gerne mal die Ziele ihrer Urlaubsreisen, 45% planen, in diesem Jahr ein Ziel zu besuchen, in dem sie noch nicht gewesen sind. Die Deutschen insgesamt zeigen über Jahre aber ein recht einheitliches Bild: Auch 2014 werden Urlaubsreisen im eigenen Land mit etwa 30% den ersten Platz der Hitparade einnehmen. Es folgen Spanien, Italien, die Türkei und Österreich. Knapp zwei Drittel aller Urlaubsreisen gehen jedes Jahr in eines dieser fünf Zielländer. Dennoch gibt es auch hier Dynamik: Laut den Präferenzäußerungen der Befragten haben z.B. Fernziele oder Destinationen in Skandinavien Chancen auf einen Zuwachs an deutschen Urlaubsgästen. Allerdings wächst das Interesse an fast allen Urlaubsregionen. Das zeigt eine hohe Flexibilität auf der Kundenseite. Die Urlauber sind „multioptional“ und sehen in vielen Destinationen die Möglichkeit, ihre Urlaubsbedürfnisse zu befriedigen. So werden die Reiseziele immer austauschbarer, selbst wenn sie sich objektiv unterscheiden. Das gilt analog auch für die Urlaubsformen. Die Klassiker bleiben hier auch 2014 die bedeutendsten Reisearten: Strand-, Ausruh-, Natur-, und Familienferien. Wachstum ist in bislang kleineren Segmenten (z.B. Kreuzfahrt; Radreisen; Wellness, Wandern) zu erwarten.

Ausblick
Vor diesem Hintergrund und unter der Annahme einer weitgehend stabilen wirtschaftlichen Situation der Privathaushalte erwarten die FUR-Forscher wieder ein starkes Jahr für den Urlaubstourismus mit zusätzlichem Wachstum. Die Verkürzung des Schulferienkorridors im Sommer 2014 kann zu stärkerer Konzentration auf die Monate Juli und August führen, ohne aber den Gesamtmarkt erheblich zu beeinflussen. Die deutschen Reiseveranstalter rechnen für 2014 ebenfalls mit Nachfrage- und Umsatzsteigerungen. Ihre Produkte wollen sie stärker differenzieren und noch präziser an Zielgruppen ausrichten.

Diese Unterlage ist durch die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) für die Eröffnungspressekonferenz der CMT 2014 erarbeitet worden. Die FUR ist der Träger der jährlichen Reiseanalyse (RA). Zur fachlichen Vorbereitung der CMT 2014 hat die FUR im November 2013 eine aktuelle Umfrage durchgeführt (repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung 14-70 Jahre; n=2.548) und die Zeitreihen der Reiseanalyse (jährlich n>7.500, repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 14 Jahre) ausgewertet.
Der Autor, Prof. Dr. Martin Lohmann, Diplom-Psychologe, ist wissenschaftlicher Berater der FUR. Er leitet das Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) in Kiel und lehrt als Professor in Lüneburg und Wien Konsumentenverhalten und Tourismuspsychologie.
Mehr Informationen unter www.reiseanalyse.de und www.nit-kiel.de.

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Treffen Sie uns...

Ulf Sonntag spricht beim Treffen des Corps Touristique auf der Messe f.re.e zum Thema "Alles wie immer? Aktuelle Entwicklungen aus der Reiseanalyse 2016 zum Reisezielinteresse der Deutschen in Zeiten von Krisen und Terror".
5. Juli 2016, Frankfurt am Main

Am RDA-Workshop in Köln referiert Ulf Sonntag zum Thema "Meet the locals - Wie authentisch soll das Urlaubserlebnis wirklich sein?"
Köln, 6. Juli 2016
Weitere Informationen



Martin Lohmann berichtet über Kundennutzen im Tourismus: Happiness und Well-Being - "the real thing" (ITB Kongress 2016, Marketing & Distribution Day)

Ulf Sonntag berichtet über die Ergebnisse der RA 2016:

Martin Lohmann berichtet über Urlaubsreisetrends 2025 (ITB Kongress 2015, Marketing & Distribution Day):