Urlaubsreisetrends 2011 - Up, up an away

Zum Jahresbeginn 2011 hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) für die CMT in Stuttgart eine erste vorläufige Bilanz des Reisejahres 2010 erstellt und die touristischen Trends des neuen Jahres ermittelt. Martin Lohmann stellte für die FUR die Ergebnisse in Stuttgart vor.

2010: Tourismus nach der Krise
Zum Jahresende wurde deutlich, dass der globale Tourismus nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder auf dem Niveau des Jahres 2008 angelangt ist. Die Zahl der internationalen Gästeankünfte ist um gut 5% gestiegen (UNWTO). Ein Wachstum gab es auch beim Tourismus in Deutschland. Hier stieg die Zahl der Übernachtungen um 3% auf ein Rekordhoch. Besonders dynamisch entwickelten sich dabei die ausländischen Quellmärkte
(+ 11%; Inland + 2%). Hier spielen auch Geschäftsreisende eine wichtige Rolle.
Die deutschen Reiseveranstalter haben im vergangenen Jahr gute Erträge erwirtschaftet. Die Umsatzsteigerungen (+ 3%) blieben hinter dem Gästeplus (+ 5%) zurück. Wachstum gab es in fast allen Segmenten, besonders augenfällig bei Kreuzfahrten (ca. + 15%) und Türkeireisen (+ 15%).
Die FUR erwartet nach den vorläufigen Daten auf der Basis der RA online vom Jahresende eine Steigerung der deutschen Nachfrage nach Urlaubsreisen im Jahr 2010 und ein Volumen von rund 70 Mio. Urlaubsreisen. Für die Jahr für Jahr hohe Zahl an Urlaubsreisen spielen Konsumgewohnheiten und Konsumprioritäten eine wichtige Rolle. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, neben der wirtschaftlichen Aufhellung auch auf langfristige Entwicklungen (demographischer Wandel) und aktuelle Marktbedingungen (günstige Preise).

2011: Urlaubslust auf Rekordhöhe
Einerseits bestimmt die wirtschaftliche Lage bzw. deren Wahrnehmung, ob und wie die Deutschen Urlaubsreisen machen; andererseits zeigen ihre Reisen und Reisepläne, wie die Deutschen die wirtschaftliche Situation einschätzen. Und hier gehen zum Jahresanfang alle Indikatoren in die gleiche Richtung:
Nach einem guten Jahr 2010 zeigen sich für den Tourismus 2011 noch bessere Aussichten. Vier von fünf Deutschen haben sich bereits mit der Planung ihrer Urlaubsreisen beschäftigt. Der Urlaubslustindikator stieg um 8% (von 51 auf 55%). Weniger Personen als im Vorjahr sehen finanzielle Barrieren, die ihnen 2011 eine Urlaubsreise unmöglich machen könnten (23%; nach 27% im Vorjahr).
Vor diesem Hintergrund erwarten die Forscher ein Rekordjahr für den Urlaubstourismus. Nicht nur die Zahl der Urlaubsreisenden nimmt zu, sondern auch die Anzahl ihrer Reisen und damit auch ihrer für Reisen aufgewendeten Ausgaben. 23% der Deutschen wollen 2011 mehr Reisen machen als im Vorjahr, 17% weniger. In den Vorjahren hielten sich diese Kennziffern regelmäßig in etwa die Waage.
Die Tourismus-Branche rechnet aus ihrer Sicht ebenfalls mit Umsatzsteigerungen, u.a. auch aufgrund moderater Preissteigerungen.
Auch weltweit ist Wachstum in Sicht. Laut UNWTO sind für 2011 Steigerungen von etwa 4% der internationalen Ankünfte abzusehen, das entspräche dann einem Volumen von 965 Mio. Reisen. Angesichts der weiterhin mit Risiken behafteten wirtschaftlichen Situation kann sich diese Zukunftsperspektive natürlich rasch ändern. Die Dynamik im globalen Tourismus ist nicht in Europa zu finden, sondern vor allem in den „emerging markets“, also Ländern wie Indien, China, Russland oder Brasilien. Diese Länder haben sowohl als Quellmärkte stark wachsende Bedeutung wie auch als Reiseziele.

Reiseziele und Reiseformen: Wie wir reisen
Die wichtigsten Urlaubsziele der Deutschen werden auch 2011 Deutschland (mit über 30% weit vorne auf dem ersten Platz), Spanien, Italien, die Türkei und Österreich sein (zusammen knapp zwei Drittel aller Urlaubsreisen). Dennoch gibt es auch hier Dynamik: Den Präferenzäußerungen der Befragten nach haben Fernziele, Mittelmeerländer und Destinationen in Skandinavien Chancen auf einen Zuwachs an deutschen Urlaubsgästen.
Allerdings wächst das Interesse an fast allen Urlaubregionen. Das zeigt eine hohe Flexibilität auf der Kundenseite, die Urlauber sind „multioptional“ und sehen in vielen Destinationen die Möglichkeit, ihre Urlaubsbedürfnisse zu befriedigen. So werden die Reiseziele immer austauschbarer, selbst wenn sie sich objektiv unterscheiden. Das gilt analog auch für die Urlaubsformen. Die Klassiker bleiben hier auch 2011 die bedeutendsten Reisearten: Strand-, Ausruh-, Natur-, und Familienferien. Wachstum ist in bislang kleineren Segmenten (Kreuzfahrt; Radreisen; Wellness, All Inclusive) zu erwarten.

Baden-Württemberg als Quellmarkt
Die Baden-Württemberger sind reisefreudig und heimatverbunden zugleich. Einerseits machen sie überdurchschnittlich viele Urlaubsreisen ins Ausland (77%; alle Deutschen: 68%), andererseits sind sie die wichtigste Gästegruppe im eigenen Land: 25% aller deutschen Urlaubsgäste in Baden-Württemberg stammen aus dem eigenen Bundesland und reisen so in der Heimat. Langeweiler sind sie deswegen nicht, sie lassen sich nicht nur von der Natur sondern auch von Städte- und Eventreisen locken.

Ausblick
Die nachfrageseitigen Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen für 2011 für den Urlaubstourismus sind ganz hervorragend. Wir erwarten ein leicht wachsendes Nachfragevolumen. Angebot und Nachfrage werden dabei zunehmend differenzierter, die Auswahl wird für die flexiblen, „multi-optionalen“ Kunden umfangreicher. Informationen über die zahlreichen Urlaubsmöglichkeiten werden einerseits wichtiger, andererseits sind sie wegen der großen Fülle kaum zu bewältigen. Der nach wie vor harte Konkurrenzkampf verlangt Kundenorientierung sowohl im Produkt als auch in der Kommunikation. Den urlaubslustigen Reisenden kann das nur Recht sein.


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